20120127

Oh Augenblick, verweile doch, du bist so schön!

Morgens auf die Waage steigen und überrascht feststellen, dass ich zwei Kilo abgenommen habe, ist ein gutes Gefühl. 
Es geht wieder wie von selbst. 
Ich funktioniere.
Habe heute meine Mathe Prüfung, die mir angesetzt wurde, weil ich bei der Schularbeit gefehlt habe mit Bravour bestanden. 


Meine Noten dieses Halbjahr sind wieder gut. (Nicht sehr gut, wie ich's gerne hätte, aber das kommt immer erst am Jahresende...) Wie immer. Ich funktioniere eben.

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Gestern war ich beim Ungarisch Unterricht.
Das erste Mal seit drei Wochen.
Ich weiß nicht, es ist nicht wirklich Unterricht im wahrsten Sinne des Wortes. 
Es ist reinkommen, hinsetzen, sich über die grelle Neonbeleuchtung der Uni ärgern, sich hässlich fühlen, über ungarische Traditionen & Geschichte labern, über Ferien labern, über belangloses Zeug labern, heimgehen. 
Gestern war es interessanter. 
Nervös betrete ich den Hörsaal, etwas zu spät, aber das bin ich immer. Ich habe vorher Unterricht und die Uni ist sehr weit von meiner Schule entfernt.  
Der -nennen wir ihn- Sportler (wow, wie einfallsreich, vielleicht überlege ich mir noch etwas Besseres...) kommt erst nach mir, setzt sich neben mich. 
Er ist ein Typ, mit dem ich schon seit mitte Oktober versuche, etwas anzufangen. 
Im Unterricht reden wir über meine große Rede am Dienstag. Wir reden über die Matura. Wir lachen. Wir gehen.
Draußen, in der Kälte geht er neben mir her, etwas verunsichert. "Letztes Mal warst du nicht da, oder?" 
"Nein." 
"Und davor auch nicht?" 
"Nein. Ich hatte immer am Freitag eine wichtige Prüfung." 
"Oh. Ich dachte schon, ich hätte dich verschreckt. Ich dachte, ich hätte etwas Falsches gesagt oder so." 
Ich lache. Er gefällt mir. Ich mag seine dunklen Augen, ich mag es, dass es so groß ist. Ich mag es, wie er spricht und was er sagt. 
"Was machst du jetzt?" 
"Heimgehen... Ein bisschen ausruhen und dann Mathe lernen." 
"Wollen wir uns nicht wo reinsetzen?" 
"Gern." 
Er schneidet in der U-Bahn ein Thema an, nämlich dass Frauen so kompliziert seien, das mich dazu bringt, ihn zu fragen ob er eine Freundin hat. 
Er bejaht.
Seit einer Woche. Aber es ist so komisch, meint er. 
Ich versuche, diese Tatsache zu ignorieren. (Scheiß Karma
Das Café, für das wir uns entscheiden, ist nicht weit von meiner Wohnung entfernt und im Nichtraucherbereich ist es immer so schön ruhig, sodass man sich  wunderbar unterhalten kann. 
Halbkreisförmige Sofas, runde Tische, eine falsche Palme, rote Beleuchtung, ein flimmernder Fernseher. 
Die Distanz zwischen uns wird immer geringer, die Wortspiele immer eindeutiger. 
"Du machst mich fertig..." 
"Ist das gut oder schlecht?" Ich zeige ihm mein kokettestes Lächeln.
"Wäre es schlecht, wäre ich nicht mehr hier." 
Er sieht mir unheimlich lange in die Augen, brennt sich mit seinen dunklen Scheinwerfern in mich hinein, bringt mich dazu, mehrere Male meine Position zu wechseln.
Fragt mich, ob er es lassen soll.
Lächelt, als ich sage, nein, er kann ruhig weitermachen. Es gefällt mir ja.
Er sagt, ich hätte schöne Augen. 
Ich bringe ihn in Verlegenheit.
Wir reden über das Thema meiner Rede. 
Vorsichtige Berührungen folgen, mal als Entschuldigung für ein unangebrachtes Wort, eine kurze Handberührung, mal ein zaghaftes, zartes Streichen über einen Pigmentfleck auf seinem Unterarm. Mit der Zeit wird er mutiger, seine Hand liegt auf meinem Knie. 
Meine Augen wandern abwechselnd von seinem Körper zu seinem Mund, zu seinen Augen, zu seinem Mund, zu seinem Körper. Immer wieder.
Und irgendwann ersticke ich daran, dass er mich so durchbohrt, ich ersticke daran, dass mein Herz bei zu vielen seiner Aussagen stockt.
Ich streiche ihm durchs Haar, ziehe ihn zu mir und lege meine Lippen auf seine.
Und es zeigt sofort Wirkung. Seine Arme schlingen sich um mich, er drückt mich fest an sich. Der Kuss brennt bis jetzt noch. 
Er ist verunsichert. 
"Als hätte ich jemanden betrogen." (Scheiß Karma²
Er fragt mich, was ich hätte, warum ich so nachdenklich sei.
"Seit Mitte Oktober versuche ich, das hier zu erreichen. Und es war immer ein Herumtanzen. Ja, aber nein, aber gerne! Aber nicht heute, vielleicht morgen. Naja, nächste Woche sicher. Oder auch nicht. Auf alle Fälle. 
Und ausgerechnet jetzt schaffen wir es endlich, uns zu treffen? Das hier wäre auch vor zwei Monaten passiert."
Ich sehe ihn an, genauso wie er mich zuvor angesehen hat.
"Robyn, mach das nicht..." 
"Was denn?" 
Ich streiche über seine Hand, die immer noch auf meinem Knie liegt.
"Du verführst mich. Ich brauche meine gesamte Selbstbeherrschung, um nicht..." 
Er beendet den Satz nicht. 
Irgendwann gehen wir. 
Er meint, er bräuchte Zeit. Die kann ich ihm geben, ich habe es nicht eilig. 
Er bringt mich nach Hause.
Ich umarme ihn, er hält mich wieder so fest, wie bei unserem Kuss. Vergräbt das Gesicht in meinen Haaren. 
Ich gebe ihm einen Kuss auf die Wange. Muss mich auf die Zehenspitzen stellen (Bei meiner Größe von 1,77). Er küsst mich auf den Mund.
Sieht mir in die Augen.
Seufzt.
"Was denn?" 
"Das ist das Einzige, das ich in deinen Augen nicht sehen wollte." 
"Was siehst du denn?" 
"Enttäuschung."
Ich lächle. Blicke auf unsere Hände, die sich noch nicht voneinander gelöst haben. 
Ein Schritt rückwärts.
Anstatt in seiner Wärme verlieren sich meine Hände in der Eiseskälte der Jännernacht.
"Bis bald." 
"Gute Nacht." 
Rein in die Wohnung.
Mathe wurde an dem Abend nicht mehr gelernt. 

Mit einer SMS entschuldigte er sich dann und bedankte sich und was weiß ich was. Ich schrieb darauf;
"Wenn du ohne mich klarkommst, dann tu das. Aber wenn nicht, dann lass mich bitte nicht los."  

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Ich habe heute mit ihm geschrieben, er hat mich sogar angerufen (Applaus, Applaus und das in einem Zeitalter, in dem man mehr per SMS kommuniziert, als persönlich... Dass da ein Junge ein Mädchen noch anruft ist ja wirklich höchst ungewöhnlich und selten.)
Immer noch keinerlei Entwicklungen. 
Aber ich gebe ihm ja Zeit.
Höchstens eine Woche. 

Es wäre schön, wenn er sich für mich entscheiden würde.

Und wenn nicht, hatte ich zumindest einen netten Highschool-Musical-mäßigen Teenie-Drama-Trauma-Abend.
Hätte nur noch gefehlt, dass er aufspringt und mit mir in dem Café ein tragisches Duett singt. 

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Oh, und er hat mich zu einer sehr schönen Passage in meiner Rede inspiriert. 
Und Coldplay - Fix you. Sehr gutes Lied. 

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o-bscurebones:

distorted.






Vielleicht habe ich ja wirklich scheiß Karma.
Oder das Universum hasst mich. 

Love,
R.

1 Kommentar:

  1. klingt i.wie toll dein erlebnis! ich drück dir die daumen!
    und schau mal hier: http://www.yoga-vidya.de/karma.html#c35455 für dein karma ;)

    fine :)

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