20120128

Verblendung

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Probensamstage erschöpfen und entspannen mich gleichzeitig auf eine so wunderbare Weise, dass es mir wirklich sogar Spaß macht, am Samstag in die Schule gehen zu müssen.
Ich bin immer zu früh dran, besonders heute morgen. Eine halbe Stunde zu früh.
Ich klettere über das hintere Tor der Schule, lasse die Musik aus meinem I-Pod dröhnen und genieße die eisige Winterluft und den ausgedehnten Spaziergang im Schulpark. 
So viele Erinnerungen.
Ich sehe mich als kleines Mädchen vom Klettergerüst stürzen. Die Nase blutet. 
Ich sehe mich als Außenseiter auf der Bank sitzen.
Als verzweifeltes Nervenbündel heulend in einem Busch kauern.
Als kleine Künstlerin unter dem größten Baum sitzend zeichnen oder lesen. Vielleicht schreiben.
Ich liebe diese Schule. 
Ich liebe sie so sehr. 
Sie ist seit elf Jahren mein zu Hause, ihre Mauern hielten immer ein Versteck für mich bereit, ihre stummen Fliesen hatten immer ein offenes Ohr für mich, ihre Stille war stets der beste Rat, selbst die kahlen Bäume im Winter empfingen mich mit offenen Armen.
Ich habe sie immer verteidigt, wenn jemand sie angegriffen oder kritisiert hat.
Wenn jemand besonders lustige Witze darüber gemacht hat, dass sie eine katholische Privatschule ist. 
Ich habe noch ein Jahr mit ihr. 
Ich stehe im Garten und verabschiede mich. 
Ich wachse langsam, aber kontinuierlich. Ich wachse aus der Schule heraus. Das kommende Schuljahr wird ein einjähriger Abschied für mich. 
Ich hoffe, dass mich meine geliebte Schule auch nach der Matura noch in meine Kindheit und Jugend entführen wird. Ich hoffe, dass ich niemals vollständig aus ihr herauswachsen werde. Ich hoffe, ich kann einen Teil von mir bei ihr zurücklassen.
Aber ich werde bereit sein, zu gehen.


Ich genieße die Proben, versuche, der Rolle der Aphrodite Leben einzuhauchen. 
Ich nehme Kritik an und setzte Verbesserungsvorschläge um. 
Ich freue mich darüber, dass die Jungs in der Gruppe auch immer weniger Hemmungen haben und lächle genüsslich, als ein Schauspielkollege einfach so zu mir rüberkommt und meine Taille umfasst.
Vielleicht weil sie erheblich schmaler ist, als letztes Jahr?  


Am Abend gehe ich mit Klassenkameraden ins Kino. (Verblendung - ein echt guter Film, allerdings nicht geeignet für schwache Nerven...)


Die Tür des Kinosaals ist mit einem spiegelnden Stern verziert. Das fällt mir erst auf, nachdem ich meine Mutter hastig zurückgerufen habe. Mitten im Film rief sie mich sechs Mal an. Ich dachte schon, es stimmt etwas nicht.
Ich stehe also vor dieser Tür, eine Hand auf dem Knauf und betrachte mich in dem Spiegel-Stern. 
Macht es die schwarze Skinny-Jeans, oder sind meine Beine wirklich so dünn? 
Blödsinn, die Beine sind fett und die Hose vorteilhaft. 
Ich bewundere meine Beine. 
Ich hasse sie.
Nicht genug, noch nicht, bald.
Nie wird es genug sein! Wieso siehst du das nicht ein?! 
Es wird genug sein, sehr bald, wenn du nur weitermachst.
Mach weiter. 
M a c h   w e i t e r .


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Am Ende des Filmes tut mein Rücken furchtbar weh, was wohl daran liegt, dass das Kino total voll war und wir nur Plätze in die erste Reihe gekriegt haben, von wo aus alles auf der Leinwand so dermaßen abstrakt verzerrt war, dass wir uns einfach auf das obere Ende der Treppe des Saales setzten. Kein allzu gemütlicher Ort.
Ich taumle vor Hunger und es macht mich stolz.
Dabei sollte es das nicht.


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I'm lost. 


Love,
R. 

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