20121011

Fettsack

Mein Leben ist gerade an einem Wendepunkt angelangt und das ist nicht in jeder Hinsicht positiv.

Mit meinem Gewicht und dem Essen, das ist so eine Sache. Es dominiert immer meine Gedanken, es ist immer da, immer sitzt etwas in meinem Hinterkopf und schlägt mit einer Keule um sich, bedroht mich, warnt mich, bestraft mich. Ich darf mich nicht wohlfühlen, das ist ein Privileg, das mir nicht zusteht, ich bin dazu verdammt, in jeder Sekunde meines Lebens das Gewicht, das immer zu viel sein wird, überall auf meinem Körper zu spüren. Und die kleinen, winzigen Momente, in denen ich mich einfach wohl und schön fühle, kleine Glühwürmchen, die so schnell gehen, wie sie kommen, sind mir immer seltener vergönnt. Ein Jammer...

Aber...

Ich habe einen Freund!
Ich habe ihn auf einem Konzert kennengelernt, Anfang Juli. Ein Freund meines Cousins. Obwohl... eher ein Bekannter.
Es war keine bedeutende Begegnung, nichts Magisches, nichts, das mit einer Filmszene zu vergleichen ist, nicht mal romantisch.
Ich war mit einer Freundin auf einem Konzert, das abgebrochen werden musste, weil es zu schütten begonnen hat. Nachdem wir es geschafft hatten, mit dem Sänger zu reden (ich hab sogar einen Handkuss bekommen - ich war ein richtiger kleiner Groupie) gingen wir auf die (Open Air!) Tanzfläche. Im Regen. Meinen Cousin habe ich rein zufällig getroffen, er war mit zwei Anderen unterwegs, einer von ihnen sollte mir später sehr nahe kommen. Und aus irgendeinem Grund wusste ich, dass die interessierten Blicke nicht ohne Folgen bleiben sollten.
Es ist schwer zu erklären, wieso, ohne dass ich arrogant und überheblich klinge. Ich weiß, dass ich bei Männern gut ankomme. Ich weiß wie ich was machen muss. Bei den meisten Männern reicht kurzer Kontakt, um genau zu wissen, welche Rolle ich spielen muss. Welche Bewegungen sie reizen.
Was bin ich heute für dich? Eine Tänzerin mit einer Schwäche für Naturwissenschaften? Zumindest scheinbar. Ich weiß, wie sich eine Tänzerin bewegt und, mit unprofessionellem Auge betrachtet, kann ich sie perfekt nachahmen.
Ich bin sehr groß, habe lange Beine, zarte Hände, lange Wimpern, dunkelrotes, wildes Haar, helle Augen... Und ich weiß, wie ich das einsetzen muss. Ich hasse meine Figur, die Statur, den ganzen überschüssigen Ballast in meinem Körper, aber ich weiß, wie ich das kaschieren muss, um bei Männern gut anzukommen.
Hier, bei ihm, war es etwas anders.
Ich hatte keinen "Heimvorteil", das Element der Überraschung hat mich überrumpelt. Als ich das Tippen auf meinen Schultern gespürt habe, mich umdrehte und meinen Cousin sah, war ich so froh, dass ich für einen Moment alle Fassaden und schweren, roten, Vorhänge vor meiner 24/7 Bühne fallen ließ. Und ab da macht Schauspiel keinen Sinn.
Ich wusste genau, dass er sich melden wird. Und das tat er. Via Facebook. (Weniger romantisch, aber was kann man sich denn heutzutage erwarten? Weiße Brieftauben?! Ich war zufrieden.)
Nach langem Hin- und Herschreiben, das gegen Ende täglich ziemlich oft stattfand, trafen wir uns in einem Café in Budapest. Wir redeten lange und er spielte ein cleveres Spiel. Offensichtlich fand er Gefallen an mir, offensichtlich fühlte er sich zu mir hingezogen, aber er tat nichts, um mir näher zu kommen. Nichts. Keine "unabsichtliche" Berührung, kein Näherrücken (obwohl es in dem Café kuschelige Sofas und außer uns nicht viel Kundschaft gab). Vor dem Einganstor zu meiner Wohnung standen wir dann und redeten... Und spielten. Er, immer noch an der Distanz-Methode festhaltend, und ich... Ich entschied mich, ihn zu foltern. Ich setzte all meine Waffen ein, all die verführerischen Blicke, die Mädchenhaften Hüftbewegungen, die weibliche, offene, liebliche Mimik, alles. Und er wurde schwächer und schwächer, seine Hände fanden bereits ihren Weg zu meinen Hüften, aber er behielt den letzten Funken Stärke, er küsste mich nicht.
Bis ich es dann satt hatte, ihn zu mir zog und den Kuss selbst in die Hand nahm.
Und seitdem treffen wir uns, wann immer wir können, schreiben jeden Tag, zu jeder Zeit und 'skypen' täglich bis zu 6 Stunden, bis spät in die Nacht.
Und ich bin glücklich mit ihm.
(Kleiner Exkurs: Mein Cousin weiß von dem Ganzen nichts und hat nur gesehen, dass er mich auf Facebook geadddet hat. Daraufhin hat er ihn das nächste Mal, als sie sich gesehen haben, darauf aufmerksam gemacht, dass ich seine kleine Cousine bin und er sich, aus zahlreichen guten Gründen, unter anderem der Entfernung und dem Altersunterschied, von mir fernzuhalten hat. Ups. Hat nicht ganz geklappt.)
Er weiß immer noch auf das kleinste Detail genau, was ich bei unserem ersten Date anhatte... :)

Es ist schade, dass er so weit weg wohnt.
Zurzeit ist er die einzige Quelle meiner Zufriedenheit, sonst gibt es hauptsächlich Stress, Ärger, noch mehr Stress, Enttäuschung, noch mehr Ärger... Ach, ich weiß nicht... Wirklich nicht...


Wie geht's euch, meine Lieben? Bald kommt der Winter, freut ihr euch auf die kuschelige Zeit oder sehnt ihr euch nach heißen Sonnenstrahlen? :)
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М


Love,
Robyn

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